Mitarbeiterwohnungen: Ein Evergreen kehrt zurück

Was haben Fachkräfte und bezahlbarer Wohnraum gemeinsam? Beides ist derzeit in Deutschland Mangelware. Ein alter Bekannter soll dem nun aktiv entgegenwirken: die Mitarbeiterwohnung. Denn dank einer Neuregelung des geldwerten Vorteils fallen seit Jahresbeginn 2020 Steuernachzahlungen weg, wenn Arbeitgeber vergünstigten Wohnraum zur Verfügung stellen. Zuvor hatten Arbeitnehmer die Differenz zur ortsüblichen Vergleichsmiete noch versteuern müssen. Von dem Konzept profitieren jedoch nicht nur die Angestellten: Unternehmen, die über ein eigenes Wohnraumangebot verfügen, können sich im Kampf um die besten Köpfe positiv vom Wettbewerb abheben. Und auch für die Wohnungswirtschaft bietet die Idee Chancen.

Neu ist es nicht: Bereits zu Zeiten der industriellen Revolution schufen große Unternehmen Wohnquartiere für ihre Beschäftigten. Einen regelrechten Boom erfuhren Mitarbeiterwohnungen auch in den 1970er Jahren mit bundesweit rund 450.000 neu gebauten Exemplaren. Heute, zu Zeiten des allgegenwärtigen Fachkräftemangels, hat die Politik das Potenzial des Konzeptes nun ein weiteres Mal erkannt: Durch eine Neuregelung des geldwerten Vorteils fallen seit dem 1.1.2020 Steuernachzahlungen weg, sofern ein Arbeitgeber seinen Angestellten vergünstigten Wohnraum zur Verfügung stellt. Denn durch die Einführung eines Bewertungsabschlags – immerhin ein Drittel vom ortsüblichen Mietwert – erfolgt die verbilligte Überlassung lohnsteuerfrei.

Eine Studie des Forschungs- und Beratungsinstitutes Regio Kontext (Berlin) zeigte daher kürzlich auf, welche Möglichkeiten der Wohnraumüberlassung sich besonders anbieten. Genannt werden hier vor allem Kooperationen mit Wohnungsunternehmen oder Genossenschaften: Diese verfügen über die nötige Expertise beim Thema Immobilien und sind so gleichermaßen kompetente wie naheliegende Partner. Denkbar seien laut Studie verschiedenste Varianten der Beteiligung. So könnten Wohnungsunternehmen lediglich die Bewirtschaftung fremder Quartiere übernehmen, eigenen Wohnraum an Unternehmen verkaufen oder selbst Wohnungen – zum Beispiel per Generalmietvertrag – an Arbeitgeber vermieten. So oder so entlaste auch aus Sicht der Städte jede gebaute Mitarbeiterwohnung den Mietmarkt.

12.05.2020
(Bild: UNIPOR, München)
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