„Graue“ Wohnungsnot

Senioren in Deutschland steht künftig ein massives Wohnproblem bevor. Zu diesem Ergebnis kommt nun die Studie „Wohnen der Altersgruppe 65plus“ des Pestel Institutes (Hannover). Ab 2035 gehören rund 24 Millionen Deutsche dieser Altersgruppe an – das sind sechs Millionen mehr als heute. Barrierefreie Wohnungen werden angesichts der hohen Nachfrage einen Mangel darstellen.

Die Studie „Wohnen der Altersgruppe 65plus“ wurde vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) in Auftrag gegeben. Sie zeigt, dass bis 2030 bundesweit rund drei Millionen altersgerechte Wohnungen entstehen müssen, um die hohe Nachfrage decken zu können. Für damit einhergehende Sanierungen und Modernisierungen rechnet die Studie mit einem privaten Investitionsbedarf von rund 50 Milliarden Euro. Zusätzlich müssten mindestens 5,6 Milliarden Euro an Fördermitteln in die Umbauten fließen. Damit liefert das Pestel Institut als Urheber der Studie zu Zeiten des akuten Wohnraum-Mangels eine wichtige Erkenntnis: Es muss zusehends altersgerecht und barrierefrei gebaut werden.

BDB-Präsident Stefan Thurn betont, dass ein Großteil der benötigten Senioren-Wohnungen durch den Umbau vorhandener Einheiten entstehen könnte. Thurn spricht daher von einem „Baujahrzehnt des altersgerechten Sanierens“, das vom Bund offensiv mit Beratungs- und Förderprogrammen unterstützt werden sollte. Langfristig lassen sich somit Kosten im Gesundheitswesen sparen: Hilfsbedürftige Menschen können im Alter in den eigenen vier Wänden gepflegt und deutlich teurere stationäre Aufenthalte im Heim vermieden werden.

Des Weiteren rechnet das Pestel Institut mit einer „Senioren-Umzugswelle“. Denn 25 bis 30 Prozent der Rentner werden laut Studie für ihren Lebensunterhalt auf staatliche Unterstützung angewiesen sein – bisher waren es nur drei Prozent. Die Konsequenz: Senioren können sich ihre Wohnung nicht mehr leisten und suchen kleinere Einheiten mit niedrigeren Mieten, die gerade in Ballungsgebieten Mangelware sind. Die Marktforscher der Studie plädieren daher für bezahlbares Seniorenwohnen, sodass Rentner ihre gewohnte Umgebung und ihr soziales Umfeld nicht aufgeben müssen.

01.04.2019
(Bild: Unipor, München)
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