Wohnungsbau: Viele Faktoren bestimmen aktuelle Entwicklung

2,8 Prozent weniger Baugenehmigungen im ersten Quartal 2019: Derzeit stagniert der Neubau von Wohnungen in Deutschland etwas – allerdings auf einem immer noch relativ hohen Niveau.  Für die aktuell rückläufigen Zahlen sind auch bürokratische Prozesse und Personalmangel am Bau verantwortlich. Wachsende Beschäftigungszahlen deuten aber wieder einen positiven Trend in der Bauwirtschaft an.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurde der Bau von insgesamt 75.600 Wohnungen genehmigt. Darunter sind etwa 65.700 Neubauten. Ein Abgleich mit dem von der Bundesregierung ausgerufenen Ziel 375.000 neuer Wohneinheiten jährlich macht deutlich: Es bleibt Luft nach oben. Doch dass sich zahlreiche Bauvorhaben bereits in der Erstellung befinden, berücksichtigt die Auswertung des Statistischen Bundesamtes nicht. Fortschritte im Bauprozess hängen jedoch von mehreren Faktoren ab.

So macht die im Rahmen des Wohnungsbautages veröffentlichte Prognos-Studie deutlich: Personelle Kapazitäten sowie bürokratische Abläufe sind entscheidende Stellschrauben, wenn es um die Genehmigung und den Bau von Wohnraum geht. Ursachen für verzögerte Prozesse liegen in Personalengpässen in Gemeindeverwaltungen sowie in gestiegenen Anforderungen administrativer und rechtlicher Natur begründet. Zudem hielten private Baulandbesitzer vermehrt an Eigentum fest, da dies in Niedrigzinszeiten eine verlässliche Wertanlage darstellte. Auch die Anzahl kommunaler Veräußerungen baureifen Landes stagnierte zwischen 2011 und 2017. Eine Folge: der Markt spannte sich an und Preise stiegen.

Vom ersten Spatenstich bis zum Mehrfamilienhaus ist es zudem ein weiter Weg: So bedeutet eine Baugenehmigung nicht gleichzeitig ein Mehr an Wohnraum. Schon 2017 bestand ein Bauüberhang von 559.000 genehmigten Wohnungen, von denen 40 Prozent noch nicht in der Umsetzung waren. Einen Engpass stellt die dünne Personaldecke in Bauwirtschaft und Handwerk dar. Doch seit 2009 steigen die Beschäftigtenzahlen – ein Trend, der sich bis heute fortsetzt. Weiterhin suchen Bauunternehmer zwar lange nach Fachpersonal, die Bauwirtschaft freut sich aber über steigende Beliebtheit bei angehenden Auszubildenden. So wuchs die Zahl der Lehrlinge zwischen 2015 und 2018 um rund zehn Prozent an und lag 2018 bei insgesamt 38.000 Auszubildenden.

„Die gleichzeitig steigende Zahl an Beschäftigten ist ein weiterer Ausdruck der hohen Geschäftigkeit am Bau und zeigt, dass ein hoher Bestand laufender und genehmigter Bauvorhaben vorhanden ist. Eine im unteren Prozentbereich angesiedelte Zahl rückläufiger Baugenehmigungen erscheint vor diesem Hintergrund weit weniger beunruhigend: Denn die vorhandenen Kapazitäten sind bereits vollends damit beschäftigt, Wohnraum zu schaffen.“, erklärt Unipor-Geschäftsführer Dr.-Ing. Thomas Fehlhaber. „Um die ambitionierten Wohnraumziele in Deutschland zu erreichen, ist es notwendig, die Rahmenbedingungen besonders für die Zugänglichkeit zu Grundstücken zu verbessern – dies gilt sowohl für Ballungszentren als auch deren Umland“, so Fehlhaber weiter.

22.06.2019
Bild: Unipor/ München.
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